Information für Patienten

 

 

Informationen zur nuklearmedizinischen Gelenktherapie* (Radiosynoviorthese)

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, diese Information soll Ihnen einen Überblick geben über die notwendige Voruntersuchung (Diagnostik) und die Behandlung (Therapie).

Voruntersuchung
Radiosynoviorthese allgemein
Radiosynoviorthese- Durchführung
Radiosynoviorthese- Vor- und Nachteile

Radiosynoviorthese allgemein

Radiosynoviorthese bedeutet: Wiederherstellung (Orthese) der Gelenkschleimhaut (Synovialis) mit Hilfe von radioaktiven Isotopen.

Sie ist eine sehr wirksame Methode, die bei schmerzhaften entzündlichen Gelenkerkrankungen schon seit über drei Jahrzehnten eingesetzt wird. Schwerepunkt der behandelten Krankheiten ist die chronische Polyarthritis (entzündlicher Gelenkrheumatismus). Rheuma ist eine systemische, also den ganzen Körper betreffende Erkrankung, deren Ursache weitgehend unbekannt ist. Man nimmt heute an, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, also ein Geschehen, bei dem der Körper gegen eigene Körperbestandteile aggressiv mit einer Entzündung reagiert, weil er sie fälschlich als Fremdsubstanzen erkennt. Dieser innere Kampf führt zu Schädigungen im ganzen Körper, insbesondere aber in den Gelenken, hier wiederum an der Gelenkschleimhaut. Ein Rheumatologe sagte einmal: "Der Schurke des Dramas ist die Synovialitis".

Synovialitis ist die Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovialis). Die Gelenkschleimhaut wuchert oft grotesk korallenartig, zerstört dabei den Knorpel, dringt in den Knochen ein, zerreißt Bänder und Sehnen und kann in unterschiedlich raschem Fortschreiten zu schweren Gelenkzerstörungen führen.

Zur medikamentösen Behandlung werden mehr oder weniger toxische (giftige) Substanzen eingesetzt, die sämtlich Nebenwirkungen haben können. Meist bleibt jedoch nichts anderes übrig, als so dem zerstörerischen Prozess etwas Einhalt zu gebieten. Manchmal sind auch operative Eingriffe erforderlich. Sind ein oder mehrere Gelenke besonders intensiv betroffen, empfiehlt es sich, die Radiosynoviorthese frühzeitig einzusetzen, möglichst, bevor schon Gelenkzerstörungen eingetreten sind. In ein erkranktes Gelenk wird mit Hilfe einer einfachen Punktion ein radioaktiver Stoff injiziert (gespritzt):

Radioaktiver Stoff Grosse Gelenke Mittelgrosse Gelenke Kleine Gelenke
Yttrium-90 Kniegelenk - -
Rhenium-186 - Schulter-, Ellbogen-, Hand-, Hüft-, Sprunggelenk und andere -
Erbium-169 - - Finger- und Zehengelenke

Bei diesen drei Stoffen handelt es sich um Betastrahler. Diese Strahler haben eine sehr kurze Reichweite im Millimeterbereich, sind auf dieser Strecke aber zellzerstörend. Die (physikalische) Halbwertzeit ist kurz: für Yttrium-90: 2,7 Tage, für Rhenium-186: 3,7 Tage und für Erbium-169: 9,4 Tage.

Nach der Injektion kommt es zu einer gleichmäßigen Verteilung in der Gelenkflüssigkeit. Die Stoffe, gebunden an winzige Partikel, werden von den oberflächlichen Zellen der kranken Gelenkschleimhaut aufgenommen, so dass sich die erwünschte Wirkung dieser radioaktiven Substanzen an der Oberfläche der kranken Gelenkschleimhaut abspielt.

Im Laufe der nächsten Zeit kommt es zu einer allmählichen lederartigen Verschorfung der Schleimhautoberfläche mit Abnahme der Schleimhautschwellung. Dabei werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Ergussflüssigkeit ins Gelenk drang, und auch die feinsten Nervenendigungen ausgeschaltet, so dass der Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert wird.

Die Wirkung tritt allmählich ein, manchmal schon nach wenigen Tagen, in manchen Fällen auch - mitunter wellenförmig - erst nach Wochen oder Monaten. Die endgültige Wirkung lässt sich erst nach etwa sechs Monaten beurteilen.

 

Bei welchen Gelenkerkrankungen hilft die Radiosynoviorthese?

Die Radiosynoviorthese wird bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen, überwiegend bei rheumatischen Erkrankungen, z.B. bei chronischer Polyarthritis, aber auch bei Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung (Psoriasisarthritis) u.a. eingesetzt, darüber hinaus aber auch bei "aktivierten" Arthrosen z.B. der Kniegelenke und beim sog. "Reizknie", auch bei aktivierter Fingerpolyarthrose. Auf seltenere Indikationen sei hier nicht näher eingegangen.

Ein paar Worte zur so häufigen Kniegelenksarthrose: Die Schmerzen kommen durch mindestens zwei Komponenten zustande: den knöchernen Verschleiß (Arthrose), vorwiegend aber durch die Begleitentzündung (Arthritis). Die Amerikaner sprechen daher von "Osteoarthritis".

Stellen Sie sich ein Beispiel vor: Ein glimmendes Streichholz ist sicher als ziemlich harmlos anzusehen, eine Scheune voll Heu erst recht. Kombination -: Katastrophe! Nimmt man rechtzeitig eine Komponente weg, am einfachsten die entzündliche, ist das Problem entschärft. Ist eine entzündliche Komponente (Arthritis) der Kniegelenksbeschwerden szintigraphisch und/oder sonographisch nachgewiesen, bestehen gute Aussichten, dass die schmerzhafte Funktionseinschränkung nach einer Radiosynoviorthese verringert oder beseitigt wird. Allerdings muss anschließend der Sehnen-Muskelapparat mit aktivem Kniegelenkstraining wieder gekräftigt werden.

 

* Diese Informationen entsprechen der vierseitigen Aufklärung für Patienten der Gemeinschaftspraxis Prof. Dr. G. Mödder, W. Mütter, Dr.B.Boddenberg-Pätzold, Dr. M. Göhring, Dr. B. von Einem/ Köln

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Stand: 11. Februar 2003